Gut, besser, …

08.03.2010

“Wenn diese Form der anspruchsvollen, satirischen, politischen Predigt auf Dauer dem Nockherberg nicht zuzumuten ist, dann ist es besser, man zieht seine Konsequenzen und macht den Weg frei für einen unbelasteten Neubeginn“.

Michael Lerchenberg

Mein Vorschlag für 2011: MMP – unterschichtentauglich, garantiert unpolitisch und auch bei der Wiederholung wird nix herausgeschnitten.


ZWG

04.03.2010

Heute in der Stadt entdeckt: ein Traum in hellblau und pink. Und der Sattel erst!
Wer wohl ZWG ist?

Stylebike


Wunderbare Wunderwände

03.03.2010

Wenn man bei YOUTUBE nach dem guten, alten Oasis-Song Wonderwall sucht, erhält man eine schier unüberschaubare Trefferzahl.
Ich gestehe, mir geht das Herz auf, wenn ich all diese wunderbaren, handgemachten Videos sehe und weil ich mich erinnert habe, irgendwo eine zwar alte, aber immerhin schon digitale Videokamera herumliegen zu haben, habe ich diese hervorgekramt, Gitarre und Mikrofon mit Mixer und Rekorder verkabelt und bei YOUTUBE eine weitere Wunderwand aufgestellt.

Und weil meine Version sicher nicht die beste ist, habe ich Euch noch eine schöne Auswahl weiterer Akustik-Versionen zusammengestellt. Schaut und hört sie Euch an. Jedes einzelne Video ein Kunstwerk!


Ach übrigens …

01.03.2010


Running Score

01.03.2010

Ich habe Freund Hartmut versprochen, nicht zu verraten, wie unser Badminton-Match ausgegangen ist. Wenn er jetzt allerdings erfährt, dass seit August 2006 nicht mehr nach der alten Zählweise gewertet wird (also bis 15 und nur der Aufschläger kann punkten), sondern nach der sogenannten Rallypoint-Zählweise (bis 21 und jeder kann punkten) und wenn er darüber hinaus erfährt, dass diese neue Zählweise, auch Running Score genannt, unter anderem deshalb eingeführt wurde, damit das Verschleppen eines Spielstandes durch konditionsschwache Spieler nicht mehr möglich ist, dann weiß ich schon, was Freund Hartmut daraufhin sagen wird.

Egal, ich verrate trotzdem nicht, wer gewonnen hat.


Vogelfrei und einfallsreich

28.02.2010

Ich gebe zu, ich habe eine Schwäche für Straßenmusiker, wahrscheinlich auch deshalb, weil ich selbst schon das eine ums andere Mal auf der Straße musiziert habe.
Gestern, bei einem Ausflug ins schöne Bamberg, saß in der Fußgängerzone dieser junge Mann, bei dem fehlendes Kleingeld kein Argument dafür war, ihm nichts zu geben – er akzeptierte sämtliche Geld- und Kreditkarten.

Straßenmusik bargeldlos

In dem Zusammenhang denke ich mir manchmal, auch ein Obdachloser bekäme auf jeden Fall etwas von mir, stünde auf seinem Pappschild: Ihre Spende kommt 100% mir zugute – Verwaltungskosten entstehen nicht.


Auf der Suche nach der geheimen Bonusgeschichte – Harry Rowohlt im Hubertussaal in Nürnberg

24.02.2010

Harry Rowohlt - Bleistiftzeichnung von Edward B. Gordon

Diese Bleistiftzeichnung von Edward B. Gordon hängt bei uns im Wohnzimmer und zeigt Harry Rowohlt, der sich im Sommer letzten Jahres von dem Berliner Maler hat in Öl malen lassen.
Eine der zahlreichen Skizzen, die Gordon dafür angefertigt hat, konnte ich käuflich erwerben und habe sie der Liebsten – größter Harry Rowohlt Fan unter der Sonne – zum Geburtstag geschenkt. Dazu eine Eintrittskarte zu einer Lesung, die gestern im Nürnberger Hubertussaal stattgefunden hat.

Von wegen Lesung. Wenn Harry Rowohlt eine Bühne betritt, ist das mindestens eine Performance, wenn nicht sogar etwas ganz anderes, wofür noch ein eigener Begriff zu finden wäre.

Nach einer Anschleimphase, wie Rowohlt den jeweils einführenden Teil seiner Auftritte nennt und die er deshalb macht, weil am Anfang ständig mit Fotoapparaten herumgeblitzt wird und er dann, würde er schon lesen, nichts mehr sehen könne und fürchterlich ins Rudern komme, nach dieser Anschleimphase, die darin bestand, dass er die Anschleimphasen der letzten Veranstaltungsorte Mülheim und Bielefeld Revue passieren ließ, wir hier in Nürnberg also um eine eigenständige Anschleimphase sozusagen betrogen wurden, begann es klassisch mit der Neuübersetzung eines Kinderbuches, das demnächst erscheinen wird.
Darin geht es um einen griesgrämigen, verlotterten, alten Mann, in dessen Haus sich Müll und Dreck stapeln, dessen Garten aber zu den schönsten der Stadt zählt, allerdings nicht deshalb, weil er gerne gärtnern würde, sondern weil eine lästige Fee dem Alten droht, ihn mit einer Bratpfanne zu verprügeln, wenn er nicht seinen Garten in Ordnung hält. Schön skurril und in der rowohltschen Übersetzungssprache, die, da kann man behaupten, was man will, eine Sprache mit eigener Musik, eigenen Schwingungen und eigenständigen Nuancen allerfeinster Fabulierkunst ist. Rowohlt las aus dieser Geschichte den Anfang und …

… den Schluss – drei Pünktchen, ein Stilmittel zur Steigerung eines Spannungsbogens, inbegriffen.

Dieser Schluss hatte es dann allerdings auch in sich, bestand er doch hauptsächlich aus leeren Seiten und dem Hinweis darauf, dass auf gar keinen Fall eine geheime Bonusgeschichte folgen würde, niemals, unter keinen Umständen, man bräuchte gar nicht darauf zu hoffen oder zu warten und was der Leser denn immer noch hier wolle, jetzt sei definitiv Ende und Schluss, das hier sei die absolut letzte Seite des Buches … (leere Seite, drei Pünktchen) bis nach allen Beteuerungen !natürlich! eine geheime Bonusgeschichte folgte.

Das alles darf man sich nicht vorstellen, wie wenn ein alter, in Ehren ergrauter Mann mit Nikolausbart aus einem Buch vorliest, sondern als ein Schauspiel, bei dem jedes Blinzeln, jedes Heben der Augenbraue, jedes Scharren mit den Füßen und jede vermeintlich ungelenke Bewegung choreographiert zu sein scheint und damit Text, Gestik und Stimmlage zu einer wahrhaftigen Rowohltinee verschmelzen – hach, es findet sich doch für alles ein passendes Wort.

Signierstunde mit Harry Rowohlt

Nach der Kindergeschichte las Rowohlt noch einige Texte aus seiner  Zeit-Kolumne Pooh’s Corner und pünktlich um 21.12 Uhr, wie von ihm gleich am Anfang angekündigt, gab es eine Pause zum Wohlgefallen der Gastronomie und der mit einem Bücherstand vertretenen Gostenhofer Buchhandlung, die als Veranstalter aufgetreten war und die Rowohlt mehrfach, brav erwähnte, um daraufhin bienenfleißig Bücher zu signieren.

Das Highlight im zweiten Teil der Veranstaltung war zweifelsohne die Kolumne über den Staatsempfang für den irischen Präsidenten im Schloss Bellevue, bei dem Harry Rowohlt zusammen mit der Schauspielerin des Jahres 2007 Judith Rosmair zugegen war.
Ja, die rororo Reihe gebe es noch, versicherte er auf dieser Party dem DGB Bundesvor- und an jenem Abend an Rowohlts Tisch sitzenden Sommer und ja, die Krimireihe auch. Nach einer etwas despektierlichen Äußerung zur Innenausstattung des Schlosses wurde er von einer Tischnachbarin gefragt, ob er wohl der Quotenmann von der Straße sei, während sich zwei Tische weiter Frau Rosmair rosa Getränken hingab und sich darin versuchte, seine Exzellenz, den Apostolischen Nuntius, unter den Tisch zu saufen, obwohl dieser wie angeblich die meisten hohen katholischen Würdenträger eine Prostata von der Größe eines Baguette-Brötchens haben soll.

Die Verabschiedungsszene, bei der die irische Präsidentengattin angestrengt freundlich immer und immer wieder die gleiche Gesichtsmotorik abspulte, bei Herrn Rowohlt allerdings eine Ausnahme machte indem sie einem kurzen, hysterischen Lachen anheim fiel, weil Herrn Rowohlt es gefallen hatte, etwas anzügliches oder anderweitig gesellschaftsunfähiges von sich zu geben (woran er sich aber beim besten Willen nicht mehr erinnern kann) ist angeblich sogar in einem Film über deutsche Schlösser verewigt, der ab und zu auf Phoenix oder dem ZDF-infokanal zu sehen ist. Herrlich auch hier Rowohlts Gabe, Stimmen zu imitieren, Szenen nicht einfach nur abzulesen, sondern mimisch und mit vielen geheimen Bonusgeschichten, die nicht auf dem Papier standen, anzureichern.

Nach einer großartigen Gesangseinlage irischer – und deutscher A- und B-Hymnen, deren Übersetzungen ins Deutsche Rowohlts Kumpel Bill Ramsey einst zu der Äußerung veranlassten: Die klingen im Deutschen ja noch beschissener, als im Englischen,  folgten zum Schluss noch Verstrickungen, Verknickungen und Verzwickungen in Sachen lost in translation, einer ganz speziellen Übersetzer-Kolumnenreihe aus dem Literaturmagazin der Zeit. Als Zugabe, bei der Harry es uns ersparte, uns die Hände wund zu klatschten, indem er statt, wie auf den Bühnen dieser Welt üblich, hinaus ging und wieder herein kam, sondern einfach sitzen blieb, trug er noch einige wunderbare Kindergedichte vor, zuerst im englischen Original, dann in der äußerst gelungenen, manchmal aberwitzigen, aber immer treffenden, deutschen Übersetzung.

Und dann war es auch schon 23:30 Uhr. Geschlagene drei Stunden hatten wir gebannt einem Mann gelauscht, der am Anfang damit kokettiert hatte, sein Zahnprovisorium, das er seit ein paar Tagen im Mund trägt, würde nicht halten und man hätte für das Gezischel, das er abliefern würde, eigentlich keinen Eintritt verlangen dürfen.
Keine Sorge, Herr Rowohlt, dieser Abend war jeden Euro wert und wenn wir beim nächsten Mal auch noch unsere eigene Anschleimphase bekommen, sind wir rundum zufrieden.


Blinded by the Shoes

23.02.2010

Während des Studiums und noch ein paar Jahre danach habe ich regelmäßig Squash gespielt. Irgendwann wurde ich zu träge und auch etwas zu beleibt für diesen Sport und habe ihn deshalb zugunsten einer etwas gemächlicheren, gleichwohl teureren Sportart aufgegeben – so eine Art Wandern mit Schlägern und Ball.
Freund Hartmut, der mich morgen für ein paar Tage besuchen wird, hatte allerdings die feine Idee, im Zuge der Axelschen Körper-Umgestaltungsmaßnahmen mal wieder eine Runde Badminton (früher Federball) zu spielen.

Also habe ich am vergangenen Wochenende das halbe Haus auf den Kopf gestellt und meine alten Hallenschuhe gesucht. Weil ich jedoch nicht fündig wurde, bin ich gestern zum Sporthändler meines Vertrauens und habe dort für wenige Goldtaler diese Wunderwerke fränkisch-fernöstlicher Sportschuhhandwerkskunst erstanden.

Nagelneues Hallenschuhwerk

Die trage ich seither im Büro, um meine Füße daran zu gewöhnen und damit ich mir beim Sport keine Blasen hole.
Muss ich erwähnen, dass ich damit aussehe wie ein Dandy und sich sämtliche Kollegen die Augen schürzen, weil sie das Weiß des nagelneuen Schuhwerks so sehr blendet?

Aber wartet nur ab, wenn ich damit im Badminton-Court auf und ab tänzele. Nicht nur von meinen Schuhen soll der Gegner dann geblendet sein.


Es saßen zwei Männer auf einer Bank

22.02.2010

Börje Sandquist und Mats Norrefalk auf Küchenbank Mörgönsk.
Gebt Euch diese zwei Minuten und siebzehn Sekunden. Und wer (wie ich) glaubte, Gitarre spielen zu können, der sollte nach diesem Video demütig in den Übungsraum gehen, sich ein Stündchen auf seine Mörgönsk setzen und üben.


Ab die Post

19.02.2010

Nennt mich pervers, aber ich liebe es, in unserer Postfiliale in der Warteschlange zu stehen. Diese kleine, abartige Neigung geht manchmal sogar soweit, dass ich mich dann, wenn ich an der Post vorbeikomme und durchs Fenster eine ausreichend lange Schlange erkennen kann, hinein gehe, mich am Ende der Schlange, sozusagen am Schlangenarsch anstelle, um dann, wenn derjenige vor mir an der Reihe ist, so zu tun, als hätte ich etwas vergessen und wieder verschwinde.

Alleine zu beobachten, wie selbstgefällig, gleichzeitig genervt und belästigt die Schalterbeamten den nächsten in der Schlange heranwinken, um ihn dann im wahrsten Sinne des Wortes abzufertigen, ist ein Genuss. Auch schön, wenn drei Postler hinter dem Schalter wuseln, ohne dass erkennbar wäre, was genau sie da tun, die Schlange immer länger wird und der einzig kundenorientierte Postbedienstete dem Kunden, der gerade einen fünfundfünfzig Cent Brief abgegeben hat, ein Beratungsgespräch in Sachen Postbankgirokonto ins Ohr schraubt. Die Stimmung in der Warteschlange wird in solchen Fällen ganz schnell ganz mies. Wenn es nicht ein anderer tut, heize ich derart schlechte Gruppenbefindlichkeiten gerne zusätzlich an, indem ich hörbar genervt durchatme, mir dabei angewidert durchs Haupthaar fahre und für alle in der Schlange sichtbar die Augen rolle.

Heute musste ich einen Brief aufgeben. Die Reihe der Wartenden war angemessen lang und was soll ich sagen, die Gruppendynamik in der übervollen Postfiliale kam mir vor, wie ein eigens für mich inszeniertes Theaterstück:
Am Boden kauerten zwei ältere Türken, die einen Karton, der ursprünglich einmal oder vielleicht auch immer noch einen Bodenstaubsauger beinhaltete, umständlichst und unter großem Palaver in eine Rolle Paketpapier einschlugen, weil es dem bösen Postbeamten gefallen hatte, selbiges von seinen potenziellen Versendekunden einzufordern.
Die beiden stellten sich dabei dermaßen ungeschickt an, dass man annehmen musste, sie tun dies zum allerersten Mal. Kurz habe ich darüber nachgedacht, ihnen meine Hilfe anzubieten, aber erstens waren sie ja schon zu zweit und zweitens so sehr in ihre Arbeit und ihre Wut auf den Schalterbeamten vertieft, dass ich das Kraut wahrscheinlich erst noch fett gemacht hätte – wie man bei uns in Franken sagt.

Auf der Alternativbühne meines Privatschauspiels Neulich auf der Post, einem Stehpult direkt neben mir, versuchte eine Frau ein Gesellschaftsspiel (nein, es war nicht Mensch ärgere Dich nicht) in ein viel zu kleines Postpaket einzupacken und geriet darüber so sehr in Rage, dass sie den soeben für nicht wenig Geld erstandenen Paketrohling zerriss, zerknüllte, in den Papierkorb feuerte und mit ihrem Gesellschaftsspiel unterm Arm laut fluchend das Gebäude verließ. Fast hätte ich applaudiert.

Doch damit nicht genug. In der von halbhohen Glaswänden abgetrennten Postbankfiliale, die sich am Ende des Raumes befindet, ging gerade ein Gespräch – wenn ich es mir recht überlege, war es kein Gespräch, sondern ein handfester Streit – zwischen einem älteren Herren und dem Bankangestellten in seine heiße Phase. Es fielen Sätze wie So nicht, mein Lieber und Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind.
Der hinter mir in der Schlange stehende und mit mehreren Paketen schwer beladene Kunde und ich sahen uns vielsagend an, ich schüttelte die Hand im Tenor, mein lieber Schwan, da drin geht ja die Post ab und beide waren wir so in das Geschehen hinter den Glaswänden vertieft, dass ich die Aufforderung der Schalterbeamtin überhörte, gefälligst zu ihr an den Schalter zu kommen.

Nonchalant winkte ich den Herrn mit den vielen Paketen durch. Gehen Sie ruhig, Sie haben schwer zu schleppen, ich habe Zeit, sagte ich und brachte mich in Position, um das Finale des Streitgesprächs mitzubekommen.
Das endete dann allerdings eher unspektakulär. Der Bankangestellte, der inzwischen glaubte, wer er war und der Kunde besahen sich einträchtig eine Grafik am Bildschirm. Ich konnte also beruhigt zum Schalterbeamten meines Vertrauens gehen und meinen Brief abgeben.

Mit dem befriedigenden Gefühl, nicht nur ein Postwertzeichen erstanden, sondern einer kulturellen Veranstaltung beigewohnt zu haben, verließ ich die Filiale. Auf dem Weg ins Büro überlegte ich bereits, wem ich als nächstes einen Brief schreiben könnte und ob ich nicht doch ein Konto bei der Postbank eröffnen sollte.
Ich glaube, ich bin postsüchtig.

Dieser Artikel erschien am 24. Februar 2010 auch bei kolumnen.de